Die Junge Welt in Guben

Wir befinden uns im Südosten Brandenburgs, in der Kleinstadt Guben an der deutschen Grenze zu Polen. Genau genommen sind wir in der Obersprucke. Hier entstand in den sechziger Jahren, als die Wilhelm-Pieck-Stadt einen industriellen Boom erlebte, ein neuer Wohnkomplex.

Was genau ich hier zu suchen habe? Ich inspiziere einen Teil meiner alten Nachbarschaft. Der Schillerplatz, damals Einkaufs- und Dienstleistungszentrum in diesem Stadtteil, glänzt heute vorwiegend durch Leerstand.

Wer vom Spar Supermarkt zum Eisbär wollte, musste an der Jungen Welt vorbei. Die Kneipe, um die es in diesem Beitrag eigentlich geht. Junge Welt – das klingt modern, fortschrittlich, weltoffen und zukunftsweisend. Der Name war allerdings schon in den 90ern nicht mehr Programm. Wer hier herkam, der hatte wohl bereits mit dem Leben abgeschlossen ... Wirklich? Nein so schlimm war es sicher nicht, nur war das ungefähr meine einzig sinnvolle Interpretation im Steppkenalter. Wohl auch ein Grund, warum ich nie Ambitionen hatte, dieses Lokal zu besuchen.

Heute steppt hier leider nur noch der Staub auf der Theke. Geöffnet hat das Lokal nicht mehr. Am Außenschild steht "Restaurant, Bierschwemme und Nachtbar". Bierschwemme und Nachtbar – ja, dass passt ganz gut. Aber selbst in den 90ern hätte ich mir beim besten Willen kein Restaurant in dieser Spelunke vorstellen können. Gab es hier etwa mal eine gute Zeit? War hier was los? Hatten die Leute etwa Spaß? Wirkt das ehemalige Lokal doch so trostlos und wie ein Pool voller gescheiterter Existenzen.

Wer vom Spar Supermarkt zum Eisbär wollte, musste an der Jungen Welt vorbei. Die Kneipe, um die es in diesem Beitrag eigentlich geht. Junge Welt – das klingt modern, fortschrittlich, weltoffen und zukunftsweisend. Der Name war allerdings schon in den 90ern nicht mehr Programm. Wer hier herkam, der hatte wohl bereits mit dem Leben abgeschlossen ... Wirklich? Nein so schlimm war es sicher nicht, nur war das ungefähr meine einzig sinnvolle Interpretation im Steppkenalter. Wohl auch ein Grund, warum ich nie Ambitionen hatte, dieses Lokal zu besuchen.

Heute steppt hier leider nur noch der Staub auf der Theke. Geöffnet hat das Lokal nicht mehr. Am Außenschild steht "Restaurant, Bierschwemme und Nachtbar". Bierschwemme und Nachtbar – ja, dass passt ganz gut. Aber selbst in den 90ern hätte ich mir beim besten Willen kein Restaurant in dieser Spelunke vorstellen können. Gab es hier etwa mal eine gute Zeit? War hier was los? Hatten die Leute etwa Spaß? Wirkt das ehemalige Lokal doch so trostlos und wie ein Pool voller gescheiterter Existenzen.

Kaum zu glauben, aber alles Trostlose hatte ja auch irgendwann mal einen positiven Anfang. Daher habe ich mal etwas recherchiert und ein paar Details herausgearbeitet:

Die HO-Gaststätte Junge Welt wurde 1965 erbaut und sollte so etwas wie ein zentraler Treffpunkt in dem entstehenden sozialistischen Stadtteil Obersprucke sein. So gab es zu DDR-Zeiten viele Musikveranstaltungen mit Livebands. Es wurde bis in die Morgenstunden gefeiert. Sogar als in einem Jahr, während eines kalten Winters, der Strom für lange Zeit wegblieb.

Berichten zufolge gab es oft Familienfeiern zu Anlässen wie Hochzeiten und Geburtstagen. Nicht selten auch parallel, denn Platz gab es in den verschiedenen Räumlichkeiten genug. Eine ehemalige Braut erinnert sich noch daran, wie sie mit Absatzschuhen über lose und teilweise kaputte Gehwegplatten stöckelte.

Eine andere Person muss an ihre Schulzeit denken. Die nah gelegene Diesterwegschule bot damals nicht genug Kapazität, um alle Schüler im eigenen Haus mit Mittagessen zu versorgen. Darum mussten einige Schüler mit Essensmarke in den rechten Saal der Kneipe. Das Essen wurde durch eine Luke verteilt. Der linke Saal war für die Schüler verboten. Dort gab es Tischdecken und Blumen auf jedem Tisch. Neben dem Schulessen gab es auch einen Mittagstisch für Rentner und die Beschäftigten am Schillerplatz.

Anfang der 70er Jahre bekam die Gaststätte eine Kellerbar. Das Personal, welches dort beschäftigt war, besuchte in diesem Zuge extra einen Lehrgang um das Mixen von Getränken zu erlernen. Damals hatte die Junge Welt etwa 20 Angestellte.

Leider waren die schönen Zeiten nach der Wende schnell vorbei. Woran das lag, kann sich jeder selbst ausmalen. Es ging also bergab. Die Junge Welt – am Ende ein Treffpunkt von hoffnungslosen Seelen und Neo-Nazis.

Direkt gegenüber von der Jungen Welt thront ein weiterer Zeitzeuge des gescheiterten sozialistischen Staates. Das Hochhaus. Es heißt Hochhaus, weil es hier das Einzige ist. Gebaut wurde es ebenfalls Anfang der sechziger Jahre. Natürlich steht das Gebäude heute leer. Es ist abgesperrt. Dem Verfall überlassen. Als Träger von Telekommunikationsantennen erfüllt es wohl seinen letzten Zweck. Ansonsten ist das Haus ein Mahnmal des Niedergangs und zugleich ein Symbol für Gubener Ambivalenz, denn es steht im Zentrum eines Stadtteils, der in den vergangenen Jahren fast flächendeckend saniert und umgebaut wurde.

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